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Der richtige Mix - Tipps für die Filmvertonung

In diesem Beitrag geben wir Ihnen ein paar Tipps zum Vertonen Ihrer Filme und Videos. Filmvertonung wird leider oft vernachlässigt, daher möchten wir anregen, Musik im Film und und die Vertonung mit Filmmusik ausgewogen zu gestalten.

Die folgenden Tipps sind natürlich nur angerissen und bedeuten in den meisten Fällen ganze Universen an weiteren komplexen Informationen. Als Anregung für Ihre Musikvertonungen sollte dieser Beitrag jedoch einiges an Basiswissen mitbringen, das Sie gerne in Eigenregie vertiefen können. Es lohnt sich.

Lautstärke und Lautheit

Beide Begriffe klingen zunächst gleich, haben aber einen wichtigen Unterschied. Lautstärke ist die in Dezibel (Abk. dB) messbare Einheit von Schall, Lautheit dagegen ist die empfundene Lautstärke, abhängig von einigen Faktoren wie z.B. dem Frequenzbereich. Wichtig für einen homogenen Filmton sind beide Eigenschaften.

Grundsätzlich darf die physikalische Lautstärke nicht überschritten werden. In Videoschnittprogrammen und anderer Multimedia-Software wird die Masterlautstärke (Summe) in der Regel mit einer dB Skala angezeigt. Diese hat ihr Maximum bei Null dB, was etwas verwirrend sein kann. Null bedeutet hierbei jedoch nicht "unhörbar" sondern stellt den maximalen Pegel vor der digitalen Übersteuerung (Clipping) dar. Man beachte also beim Mischen des Filmtons, nicht nur bei der Musikvertonung sondern auch bei Dialogen, Offstimmen etc. den Masterpegel - dieser darf 0 dB nicht überschreiten, ansonsten fährt der Ton in die digitale Übersteuerung und die Sinuswellen werden an den Amplitudenmaxima (höchste, lauteste Ausschläge) praktisch abgeschnitten. Dadurch entsteht das digitale Kratzen, das sicher vielen bekannt sein dürfte.

Natürliche Kompression

Nicht zu verwechseln ist dies mit der sog. Bandsättigung, die aus der Zeit der Magnetbänder stammt. Damals - und glücklicherweise heute wieder - erreichte man mit der Bandsättigung eine Art natürliche Kompression, die weit wärmer und voller klingt als dies heute mit Software möglich ist, wobei aktuelle Software und Plugins diese Eigenschaften schon gut abbilden. Aber nicht vergessen: Digital bleibt digital. Digital kann nicht 100% analog klingen!

Wieder zurück zum Thema

In der Regel wird Filmmusik verwendet, die bereits für den sofortigen Einsatz gemixt und ggf. gemastert wurde - das heißt, der Soundtrack ist, wenn es "richtig" gemacht wurde, bereits in der maximalen Lautstärke hergestellt worden und kann grundsätzlich ohne weitere Anpassung im Filmtonmix gefahren werden, ohne mit Clipping rechnen zu müssen. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass in Ihrem Masterkanal (Summe) und den einzelnen Kanälen keine weiteren Plugins für künstliches Aufpumpen etc. eingeschleift (insertiert) sind.

Filmmusik unterstützt den Film, nicht umgekehrt

Sehen Sie Ihren Film als ein Ganzes, das auf Dramaturgie bzw. Spannungskurven beruht. Das dürfte in den meisten Fällen zutreffen, es sei denn, Sie haben ein rein technisches Video. Ziel ist es nun, dass die Musik die Dramaturgie der Bilder unterstützt (nicht dominiert!). Fängt Ihr Film ruhig an, sollte das auch die Musik tun. Kommt es bald zu einer Steigerung der Spannung, kann und sollte auch die Musik mitziehen. Hier kommt der Punkt der Lautstärke und Lautheit zum Tragen.

Sehen Sie Ihren Film als eine Art Welle, die die Spannungskurve abbildet. Diese Welle, egal welche Ausbildung und Form sie hat, sollte auch die Musik beeinflussen. Achten Sie also darauf, emotional passende Musik zu verwenden und achten Sie besonders auf die Lautstärke und Lautheit der einzelnen Tracks. Beginnen Sie nicht mit ultralautem Hollywoodsound wenn Ihr Video ein Katzenbaby zeigt und nutzen Sie keine sanfte Pianomusik während Ihre Katze aus dem 10. Stock fällt. Das sind die Grundsätze - Ausnahmen sind natürlich möglich und oft auch bewusst, um Ironie zu erzeugen.

Achten Sie zuletzt darauf, die verschiedenen Musikstücke von der technischen und gefühlten Lautstärke her dem Gesamtwerk und entsprechenden Szenen anzupassen. Lassen Sie nicht einfach alles wie es ist sondern achten darauf, ein homogenes Audioverhältnis zu schaffen, indem Sie zu laute Stücke vom Pegel her absenken und zu leise Stücke je nach Genre und Art anheben. Anheben nur, wenn der Maximalpegel des Stücks Null dB deutlich unterschreitet!

Musik aus unterschiedlichen Quellen

Wenn Sie Ihren Film vertonen, nutzen Sie ggf. Musik aus verschiedenen Quellen. Das heißt, Sie haben Soundtracks von unterschiedlichen Studios und Komponisten, die zwar grundsätzlich einen sauberen Pegel haben sollten, sich aber dennoch extrem in der Lautstärke unterscheiden können. Dazu kommt dann noch die Lautheit, also die empfundene Lautstärke.

Leider gibt es heute viele Produzenten, die den sogenannten Loudness-War bedienen, also Ihre Musik technisch so aufpumpen, dass man nur noch flaches Kreischen hört, nach dem Motto: Je lauter, desto besser. Das ist in der Werbung ein gängiges Mittel, denn das menschliche Ohr empfindet "lautere" Musik als "besser". Also wird komprimiert und aufgepumpt, bis nichts mehr geht, um sich von anderen abzusetzen. Die Realität lautet jedoch wie folgt: Je lauter, desto kaputter! Moderne Musik, also der meiste Mainstreamkram im Radio usw. hat nahezu keine Dynamik mehr, es ist einfach nur noch laut und nervt.

Siehe dazu auch Dynamik statt Loudness War - Die Psychoakustik

Audio Blenden (Fadings, Fade-In, Fade-Out)

Die Abbildung einer Spannungskurve bzw. Einleitung und Überlendung von Stimmungen und Szenen kann/sollte auch mit der Musik unterstützt werden. Haben Sie also innerhalb einer Szene verschiedene Einstellungen mit unterschiedlichen Spannungen, und wird dies auch mit unterschiedlicher Musik dargestellt, sollte auf sinnvolle Audioblenden (Fade-In, Fade-Out, Crossfade) gesetzt werden. Nicht einfach alle Stücke nacheinander abspielen sondern die Musik mit dem Bild atmen lassen. Hängen zwei Einstellungen oder Szenen unmittelbar zusammen, kann dies durch die Vertonung mit nur einem Musikstück akustisch verdeutlicht werden (Audioklammer). Handelt es sich jedoch um schnelle Bildfolgen und Stimmungswechsel, können mehrere Musikstücke dienen um Chaos und Drama auszudrücken. Diese dürfen dann auch mal straff abgeschnitten werden, je nachdem, was die Botschaft verlangt. Sehen Sie Ihren Film als Ganzes und Sie werden feststellen, dass Musik, die einfach nur stumpf ohne Nachdenken hinter ein Video gelegt wird, einen Film sogar kaputtmachen kann.

Ein Film erzählt in der Regel eine Geschichte - die Musik sollte dazu beitragen, nicht einfach obendrauf liegen. Blenden, passende Lautstärke und Einsatz passender Musik sind hier die wichtigsten Punkte. Sie brauchen eine Formel, wie man das macht? Ganz einfach. Sehen, hören und fühlen Sie Ihren Film. Gänsehaut? Dann haben Sie Ihr Ziel erreicht! Griff zum Lautstrkeregler? Das bedeutet meist, dass auf die genannten Punkte kein Wert gelegt wurde, es wurde wahrscheinlich einfach alles reingeknallt und bis auf Anschlag gedreht - der falsche Ansatz, nicht nur für Musik selbst sondern auch für Ihren Film. Sehen, hören und fühlen Sie Ihren Film!

Stille Passagen im Film

Nicht immer muss ein Film von vorne bis hinten mit Musik unterlegt sein. Ganz im Gegenteil - auch stille Szenen und Einstellungen unterstützen eine Spannungskurve positiv und lassen sowohl dem Film als auch dem Zuschauer Zeit, kurz Luft zu holen und Informationen zu verarbeiten. Mit einem gesunden Verhältnis zwischen vertonten und stillen Passagen geben Sie Ihrem Film die nötige Dynamik, um wirken und eine Botschaft transportieren zu können.

Loops, Wiederholungen, Schleifen

Wir haben schon einige Videos gesehen, die mit einem 5 Sekunden langen Audio Loop vertont wurden. Bei einem 5 oder 10 Sekunden Video kein Problem, aber bitte nicht 3 Minuten lang denselben Loop in Schleife spielen! Warum? Weil einem das, je nach Art und Einsatz des Loops, spätestens nach dem Vierten Mal so auf die Eier geht, dass man das Video einfach nur noch ausschalten will. Loops und Jingles eignen sich ideal als Lückenfüller, Tonbrücken, Audioklammern, Intros und Outros, aber bitte nicht für die Vertonung eines ganzen Films oder Videoclips. Das wird in 98% der Fälle in die Hose gehen. Sie haben sich die Mühe gemacht, einen Film zu drehen oder ein Video zu erstellen - geben Sie auch der Musik ihren Platz, dies wird häufig unterschätzt. Knallen Sie nicht einfach einen Loop in Schleife rein sondern nehmen sich die Zeit, geeignete Musik zu finden. Ihre Zuschauer werden es Ihnen danken!

Lebendigkeit durch verschiedene Musikstile

Auch die Auswahl passender, aber stilistisch und kategorisch unterschiedlicher Musik kann Ihrem Film gut tun. Szenen- und Stimmungswechsel werden im Idealfall auch mit Musik angedeutet und unterstützt. Spielen Sie nicht einfach 3 Minuten lang dasselbe Musikstück sondern beleben Sie den Film mit unterschiedlicher Musik. Auch wenn es teilweise nur ein paar Sekunden sind - verschiedene Musikstücke oder Sounddesign bringen Leben in die Bude und halten die Zuschauer bei der Stange!

Zusammenfassung

  • Angemessenes Verhältnis von Lautstärke zu Lautheit, insbesodere beim Einsatz verschiedener Musikstücke.
  • Blenden gekonnt einsetzen und damit Bilder und Stimmungen verschweißen oder gezielt trennen.
  • Kurze Loops und Jingles nicht minutenlang wiederholen! Stattdessen passende Musik auswählen und einsetzen.
  • Den Film atmen lassen, nicht pausenlos Hollywood-Action und nervige Musik sondern auch stille Passagen einbauen.
  • Lebendigkeit und Dynamik unterstützen durch Auswahl und Einsatz verschiedener Musikstücke in einem Film.